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Nicolò Baraggioli

Das Ritual ungerader Zahlen

Einzelausstellung von Nicolò Baraggioli … mehr >

Nicolò Baraggiolis Werk ist durch sein Streben nach emotionaler Distanz, Kälte und Abstand gekennzeichnet und versucht, die Bedeutung des Objekts durch nicht-expressive und anti-subjektive Kunst zu betonen. Indem er sich auf Elemente wie Oberfläche, Material, Form, Dicke, Winkel und Chromatik konzentriert, geht es in Baraggiolis Werk in erster Linie um die Erschaffung eines Objekts anstelle einer Darstellung. Fast ausschließlich auf geometrischen Formen basierend, sind seine Stücke oft Module, die sich wiederholen und zu kleinen und mittelgroßen Strukturen kombinieren lassen, die zu skulpturalen Installationen führen.

 

Künstlerstatement Nicolò Baraggioli (*1985 in Genua, lebt und arbeitet in London):

„Die Ausstellung „Das Ritual der ungeraden Zahlen" ist das Ergebnis einer jahrelangen Arbeit, die auf kontinuierlicher Forschung basiert.

Die Forschung selbst ist die Hauptgrundlage und das Leitmotiv meines gesamten künstlerischen Schaffens. Alles, was entsteht, findet seine Wurzeln genau in der unaufhörlichen Notwendigkeit, nach neuen Formen, kontinuierlichen Kompositionen und Materialkombinationen zu suchen, die mich dazu bringen, in mehrere und oft diametral entgegengesetzte Richtungen zu experimentieren. Das Ergebnis ist das Bedürfnis, meine Gedanken, eine interessante physikalische Theorie, ein philosophisches Konzept, das ich liebe, oder ganz einfach ein „Gefühl" in eine Skulptur zu verwandeln. Meistens eine Wandskulptur. Dies geschieht, indem ich versuche, jedes einzelne Element auf eine möglichst distanzierte, kalte und aseptische Weise zu übersetzen.

„Das Ritual der ungeraden Zahlen" ist die "Summe" all dieser Elemente und Gedanken. Mit den Arbeiten, die ich in dieser Ausstellung präsentiere, möchte ich meiner „Manie" für Zahlen Ausdruck verleihen. Auch die Komposition meiner Werke folgt dieser strengen Regel, die ich mir selbst auferlegt habe: ein präzises mathematisches Schema bei der Realisierung meines Gesamtwerks.

Jedes Werk hat eine Verbindung zu einer (ungeraden) Zahl, die sich auf fast zwanghafte Weise wiederholt und wiederholt und wiederholt. Wie ein berühmtes Zen-Sprichwort besagt, das meine Arbeit von Anfang an begleitet hat: "Wenn dich etwas nach zwei Minuten langweilt, versuche es vier Minuten lang. Wenn es Sie immer noch langweilt, versuchen Sie es für acht, sechzehn, zweiunddreißig und dann wieder. Du wirst wahrscheinlich herausfinden, dass es nicht langweilig, sondern interessant ist.

Alle Werke in dieser Ausstellung folgen genau den oben genannten Prinzipien, die bei ihrer Entstehung in die Praxis umgesetzt werden und meine tiefste und persönlichste Auffassung von Kunst zum Leben erwecken."

 

Text von Oliver Tepel zur Ausstellung
in „Köln Galerien A-Z", Ausgabe Juli-September

Vor zwei Jahren verbrannte Nicolò Baraggioli sieben seine Arbeiten auf Papier und füllte ihre Asche in eine transparente Kapsel. Diese erinnert an eine über große medizinische Kapsel zum Herunterschlucken. Da er die Arbeit „Catharsis“ nannte, fragt es sich, ob er seine Befreiung zum Rausch eines Anderen macht? Verpackt in eine transparente Plastiktüte mit Zip-Verschluss ist die Assoziation wirklich kaum zu umgehen. Interessanterweise unternahm John Baldessari, 1970 just auf dem Weg, seine Formensprache zu finden, Ähnliches. In seinem „Cremation Projekt“ endete die Asche, in Keksen verbacken, als Angebot eines nicht sehr lukullischen aber vielleicht rauschhaften Erlebnisses.

Baraggiolis Formensprache, die der 1985 Geborene aus seiner Katharsis entwickelte, ist strenger als die Baldessaris. Wie bei Riki Mijling basiert auch bei ihm alles auf der Form des Quadrats, welches in definierter Tiefe von der Wand in den Raum ragt. Wandskulpturen sind es für ihn, zugleich könnte man die Plexiglasformen, manchmal auf Holz oder in einer Holzumrahmung montiert, auch als Grenzerfahrungen der Malerei verstehen. Wenn sich in transparenten Korpus die Kanten abzeichnen, liegen auch Assoziationen zum effektvollen Minimalismus des Amerikaners Peter Alexander nah, die Faszination ist ähnlich. Das so betitelte „Ritual of Odd Numbers“ lässt ein leicht sediert zurück – ist die Pille wirklich noch im Beutel?

25.6. – 28.8.2021

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