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Richard Helbin
Oh boy, oh boy!
Richard Helbin wurde 1980 in Kattowitz (Polen) geboren. Von 2002 bis 2007 studierte er freie Grafik an der FH Münster. Von 2003 bis 2012 war er als freier Mitarbeiter im druckgrafischen Atelier der Edition und Galerie Mike Karstens in Münster tätig. 2008/2009 studierte er an der Kunstakademie Münster bei Daniele Buetti und von 2010 bis 2012 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Siegfried Anzinger, wo er 2012 als Meisterschüler abschloss. Seit 2012 ist er Lehrkraft für besondere Aufgaben in Druck & Grafik an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 2012 bis 2021 hatte er zudem einen Lehrauftrag für Druckgrafik und Zeichnen an der Philipps-Universität Marburg inne. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Richard Helbin widmet sich mit seinem Werk u. a. der Wiederbelebung traditioneller textiler Techniken wie Klöppeln, Sticken, Weben oder Häkeln, die einst ganze Städte und Regionen prägten, denen heute jedoch keinerlei wirtschaftliche Bedeutung mehr zukommt. Er transformiert diese Handwerkskünste in einen zeitgenössischen Kontext, indem er etwa gehäkelte Plastiken in Bronze gießt oder akribisch geklöppelte Miniaturen schafft. Dabei entstehen Preziosen, die weit über reine Kunstfertigkeit hinausgehen: Durch seine individuelle Ikonografie und das bewusste Spiel mit kontextuellen Bedeutungen werden sie zu gesellschaftskritischen Kunstwerken.
In seiner Ausstellung „Oh boy, oh boy!“ verwebt Helbin diese traditionellen Techniken mit emotional aufgeladenen, queeren Sehnsuchtsbildern und beschwört damit Werte und Vorstellungen, die zwischen Nostalgie und gesellschaftlicher Relevanz oszillieren. Seine Arbeiten verbinden Vergangenheit und Gegenwart, Handwerk und Konzept, Sinnlichkeit und kritische Reflexion auf vielschichtige Weise.
Aus dem Text zur Ausstellung And I loved the way you looked at me. im Kunstverein Lippstadt
Kathrin Heyer und Erich Franz, 2025
„Mit äußerster Raffinesse widerstehen die Werke von Richard Helbin der üblichen Wahrnehmung: Sie verhindern unser schnelles Erkennen. Im ersten Moment identifizieren wir etwa eine Landschaft, eine Figur, ein Gesicht, eine Schrift. Doch was wir zu erkennen meinen, tritt nicht klar vor Augen. Flüchtige, ungenau geführte Linien deuten es nur an, weichen vom Gegenstand ab, bilden ihr eigenes Muster. Bereits wenige Merkmale bewirken, dass wir in einer ovalen plastischen Form einen Kopf zu erkennen glauben.
Richard Helbin verwandelt solche flüchtigen und nur andeutenden Darstellungen in etwas Neues und ganz Anderes: Er stellt sie in einem zweiten Arbeitsgang noch einmal dar. Er schafft aus solchen flüchtigen Vorlagen mit der Hand bestickte Tücher (manchmal in Perlenstickerei), gestrickte Gebilde und geklöppelte (aus verflochtenen Fäden bestehende) Strukturen. Bei gewebten Nachbildungen (Wandteppichen) bezieht er digitale und maschinelle Prozesse der Textilverarbeitung ein, die er genau kontrolliert. Manche Arbeiten überschreiten auch diese Stufe noch ein weiteres Mal – etwa, wenn eine gestrickte Nachbildung in Bronze gegossen wird.
Diese mit der Hand gearbeiteten, greifbaren Stücke besitzen bereits als solche eine große materielle und sinnliche Präsenz. Zugleich vermitteln sie immer noch die Zeichnung (oder die Plastik) und auch deren Motiv (Landschaft, Figur, Gesicht, Schrift). Sie stellen es nicht unmittelbar dar, sondern lassen es lediglich ahnen – zusammen mit ihrer eigenen, ganz anderen Präsenz. Doch bleibt in ihrer Kostbarkeit, ihrer Sorgfalt, Langsamkeit und tastbaren Sinnlichkeit immer auch das Flüchtige mit enthalten, das Ferne, unklar Erkannte und nur Vermutete.
Die Technik verleiht den Arbeiten eine besondere Zeitlichkeit. Was zunächst grob und unklar wirkt, ist das Ergebnis eines langen, konzentrierten Prozesses. Fäden, Perlen und Strukturen bilden eine sinnliche Oberfläche. Gefühle, Erinnerungen und gesellschaftliche Themen – vor allem die Auseinandersetzung mit Homosexualität – schwingen mit. Dabei verlieren sie völlig ihr Klischeehaftes, ihre Überladung mit Vorurteilen. Stattdessen entsteht eine poetische, intensive und atmosphärische Bildsprache.
[…]“
3.7. – 29.8.2026
| Vernissage im Rahmen |
| der ColognePride 2026 |
| Freitag 3. Juli 18 – 22h |
| Künstler anwesend |
| Gesonderte Öffnungszeiten im |
| Rahmen der ColognePride 2026 |
| Samstag 4. Juli 12 – 18h |
| Sonntag 5. Juli 11 – 16h |
| Öffnungszeiten |
| Mi – Fr 12 – 18h |
| Sa 12 – 16h |
| und nach Vereinbarung |