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Stillleben

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Wir haben 7 internationale Künstler*innen gefragt: Was ist ein Stillleben heute?

Das Stillleben ist in der zeitgenössischen Kunst erstaunlich lebendig – allerdings hat sich die Bedeutung des Genres stark verändert.

Traditionell zeigt ein Stillleben unbelebte Dinge: Früchte, Blumen, Gefäße, Bücher, Lebensmittel oder kostbare Gegenstände. In der Kunstgeschichte waren diese Dinge häufig symbolisch aufgeladen. Eine verwelkende Blume konnte etwa für die Vergänglichkeit des Lebens stehen.

In der zeitgenössischen Kunst geht es dagegen oft weniger darum, schöne Gegenstände abzubilden. Künstlerinnen und Künstler benutzen Dinge vielmehr, um über Konsum, Identität, Erinnerung, Umwelt, Körper, Technologie oder gesellschaftliche Verhältnisse nachzudenken. Das Stillleben wird dadurch zu einer Art „Denkbild der Dinge“.

Ein wichtiger Unterschied zur klassischen Tradition ist, dass das Objekt selbst nicht unbedingt dargestellt werden muss. Ein Künstler kann beispielsweise Lebensmittel fotografieren, sie in einer Installation arrangieren oder mit ihnen eine Skulptur bauen.

Dabei können ganz alltägliche Dinge interessant werden:

- Plastikverpackungen und Wegwerfprodukte
- Smartphones und elektronische Geräte
- Fast Food und Supermarktprodukte
- Kleidung und persönliche Gegenstände
- Blumen, Pflanzen und organische Materialien
- Abfall und gebrauchte Dinge
- künstliche oder digitale Objekte

Das Alltägliche wird aus seinem gewohnten Zusammenhang herausgelöst und plötzlich betrachtenswert.

Ein besonders wichtiger Bereich ist die Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft. Ein Arrangement aus Markenprodukten kann beispielsweise gleichzeitig attraktiv und kritisch wirken.

Man könnte fragen: Warum begehren wir bestimmte Dinge? Was sagen unsere Besitztümer über uns aus? Und was geschieht mit den Dingen, wenn wir sie nicht mehr brauchen?

Damit knüpft die zeitgenössische Kunst durchaus an die alten Stillleben an. Auch dort erzählten Gegenstände von Wohlstand, sozialem Status und Lebensweise – nur sind es heute vielleicht Markenverpackungen, Turnschuhe oder elektronische Geräte statt Silberpokale und exotischer Früchte.

Aber: Vergänglichkeit ist weiterhin ein Thema. Auch das klassische Vanitas-Motiv ist keineswegs verschwunden. Blumen, Früchte, Lebensmittel und andere vergängliche Materialien werden weiterhin eingesetzt, um über Zeit, Alter, Tod und Veränderung nachzudenken.

Allerdings kann sich die Bedeutung erweitern: Eine verwelkte Pflanze kann heute beispielsweise nicht nur für den menschlichen Tod stehen, sondern auch für Klimawandel, ökologische Zerstörung oder die Fragilität von Lebensräumen.

Man kann die Geschichte vereinfacht als eine Verschiebung betrachten:

17. Jahrhundert:
„Diese Dinge sind vergänglich – denke an den Tod.“

19./20. Jahrhundert:
„Wie kann ich Gegenstände sehen und darstellen?“

Gegenwart:
„Was verraten diese Dinge über unsere Gesellschaft und über mich?“

Das ist natürlich eine starke Vereinfachung, aber sie macht die Entwicklung gut sichtbar.

Vielleicht liegt gerade darin die Aktualität des Stilllebens: Wir leben in einer Welt, die von Dingen geprägt ist. Wir kaufen, sammeln, fotografieren, benutzen, entsorgen und digitalisieren sie. Gegenstände tragen Erinnerungen und Emotionen, aber sie haben gleichzeitig wirtschaftlichen und ökologischen Wert.

Das zeitgenössische Stillleben macht diese scheinbar nebensächlichen Dinge sichtbar und fragt damit letztlich: Was bedeutet ein Gegenstand für einen Menschen – und was sagt die Welt der Gegenstände über unsere Zeit aus?

 

4.9. – 17.10.2026

Vernissage
Freitag 4. September
18 – 21h
Künstler*innen anwesend

Gesonderte Öffnungszeiten im
Rahmen der DC OPEN 2026
Samstag 5. September 12 – 19h
Sonntag 6. September 13 – 17h

Öffnungszeiten
Mi – Fr   12 – 18h
Sa   12 – 16h
und nach Vereinbarung

 

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