Kölnische Rundschau

Artikel in der Kölnische Rundschau, Mittwoch 18.07.2018

Triumph der Einfachheit

Abstrakte Kunst in einer Gruppenschau bei Biesenbach
von Heidrun Wirth

Ein gemaserter Holzblock ist an der Wand befestigt, daraus wölbt sich eine gelbe Schleife aus gebogenem Plexiglas hervor. Im Spiel von Verdecken und freigegebenem Blick bringt sie ihre hängende Dynamik zur Entfaltung.

Wer nur diese Abbildung auf der Einladungskarte der Galerie Biesenbach sieht, stellt sich dieses Wandrelief wuchtig und dominant vor. Doch vor Ort überrascht ein nur 13,5 cm hohes und 7,5 cm breites Wandobjekt von Nicolò Baraggioli durch eine grazile Kleinheit, die aber ausreicht, um in ihrer Ausstrahlung eine ganze Wand zu füllen. So sind es überwiegend kleine Formate, die die vier Künstler mit unterschiedlichen Materialien präsentieren. Alle arbeiten abstrakt, manche minimalistisch und sogar im Sinne einer Arte povera, der Kunst mit einfachen Mitteln.

Und da die narrativen Geschichten der Welt da draußen weitgehend fehlen, wird das Auge umso mehr auf reizvolle Vergleiche der vier unterschiedlichen Künstler gelenkt.

Es scheint in dieser nichtfigurativen, oft "konkret" genannten Kunst ein weltweit verbindendes Band zu geben, hier demonstriert von dem 1964 in Tokyo geborenen Japaner Hideaki Yamanobe, dem 1971 geborenen, aus Philadelphia stammenden Douglas Witmer, dem niederländischen Künstlerduo Graphic Surgery (Gisbert Zijstra und Erris Huigens) und dem 1985 in Genua geborenen Nicolò Baraggioli.

Und trotzdem tut sich eine schier unerschöpfliche Diversität auf: Perfektes neben dem Unvollendetem, hochglänzende, spiegelnde Oberflächen (Baraggioli) im Gegenüber zu einer matten Farbigkeit (Witmer, Yamanobe). Die bei dem Japaner fast an vegetabile Formen erinnernde Malerei kontrastiert mit Materialassemblagen, die nichts anderes sein wollen als schwarze übereinandergelegte Latten (Graphic Surgery). Irrationale Durchblicke entstehen im Spiel aus Konstruktion und Dekonstruktion. Doch die gute nachdenkliche Pinselarbeit kann sich samt Farbspritzern daneben behaupten.

Damit wird wieder einmal das längst tot gesagte "Tafelbild" hinterfragt, das auch hier Bestand hat. Und so liegt der Reiz in dieser Gruppenausstellung auch darin, dass die Wahrnehmung wie von selbst

sensibilisiert wird.

Dies meinte der von der Mennonit-Kultur in Lancaster, Pennsylvania beeinflusste Douglas Witmer, der "die tiefen Beziehungen zur Einfachheit, zum Frieden-Stiften und zur Demut" studierte: "Im 21. Jahrhundert sehe ich mein Werk als klare Alternative zu unserer visuellen Kultur, die sich durch Geschwindigkeit, Vielschichtigkeit und Komplexität auszeichnet. Meine Hoffnung ist, dass ich schlicht die Sinne anregen kann, wie es sich allein bei der Bildbetrachtung ergibt".

Bis 28.8. geöffnet Di bis Fr 11 - 19 Uhr, Sa 28.07., 12 - 16 Uhr findet die Midissage statt. St. Apern-Str. 44-46. Preise zwischen 375 und 8900 Euro.

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