Sculptural.Painting.

   

An der Wand oder im Raum?

Stéphane Biesenbach zeigt fünf Künstler unter dem Motto „Skulptur oder Malerei“

von Heidrun Wirth in Kölnische Rundschau, 2.2.2021

 

Skulptur oder Malerei? Was ist das kleine, nur 20 cm hohe, aus der Wand ragende Kunstwerk von Ted Larsen, das in gelben Kuben elf Zentimeter aus der Wand hervorspringt? Die gelben Flächen korrespondieren in einer frontalen Aufsicht mit den blauen Treppenwangen, die dann beim Blick von der Seite hervortreten. Diese „Skulptur“ hängt wie ein Bild an der Wand, sorgfältig mit glatten Farbflächen versehen, aber doch mit Arbeitsspuren gezeichnet.

Natürlich sieht man spätestens jetzt, dass Kunstwerke stets im Original gesehen sein wollen, besonders wenn sie mit jedem Schritt des Betrachters im Raum ihre Ausstrahlung verändern. Aber dennoch bietet die jetzige virtuelle Präsentation dieser Gruppenausstellung bei Stéphane Biesenbach Einblicke, vielleicht nicht ohne Vorfreude auf eine spätere Begegnung „in natura“.

Von Finnland bis Ungarn

Unter dem Thema „Skulptur oder Malerei“  werden vier Künstler und eine Künstlerin vorgestellt, die ihrer Herkunft nach über den Erdball verteilt sind und doch alle die eine Frage zu stellen scheinen: Wenn dreidimensionale Objekte an der Wand befestigt sind, was sind die hybriden Kunstwerke nun – Skulpturen oder Bilder?

Auf jeden Fall faszinierende Hingucker in abwechslungsreicher Hängung.

Und man sieht: Der alte Streit über das Ende des Tafelbildes in der Malerei ist noch längst nicht vorbei.

Bei allen fünf Positionen tritt die Lust an den Materialien zu der Vielgestaltigkeit der Formen hinzu. So wie bei Ted Larsen, der mit „Bergungs-Stahl, Sperrholz, Silikon, vulkanisiertem Gummi und Eisenwaren“ die oben beschriebene Arbeit mit dem Titel „False Fact“ geschaffen hat.

Während Larsen gefundene Materialien verwendet, bemalt der 1966 in Finnland geborene Jussi Niva Faltbegilde aus Holz mit Ölfarben in weiteren geometrischen Aufteilungen. Wo das Holz nicht bemalt ist, wirkt die Maserung wie eine feine Zeichnung.

Der 1980 in den Niederlanden geborene Bram Braam setzt neue kompakte Bildelemente über darunterliegende Bilder und arbeitet so mit dem Reiz des (Halb)Verdeckten. Damit scheint er das schon in der Romantik bekannte Thema der Mehrschichtigkeit der Wand aufzunehmen, an den romanischen Kirchen in aufgesetzten Rundbogenreihen (Lisenen) praktiziert. Seine Arbeiten bestehen oft aus Altmaterialien und Verbinden Exaktes und Zerfließendes.

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Viewing Room

Parallel zu dieser Ausstellung hat Stéphane Biesenbach bis 21.2. einen virtuellen „Viewing Room“ eingerichtet, in dem er Arbeiten auf Papier des Japaners Hideaki Yamanobe anbietet – in einer Preispanne von 800 bis 2.850,- €. www.galerie-biesenbach.de/de/online

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In feinen „malerischen“ Übergängen lotet der 1972 in Budapest geborene Ungar Árpád Forgó mit monochromer Acrylmalerei die Grenzen zum Dreidimensionalen aus. Leicht wölben sich straff gespannte Leinwandsegmente etwa 4 cm weit hervor und lassen in den Wölbungen feinste Farbschattierungen entstehen.

Ganz anders arbeitet die 1984 in Seoul geborene Ji Eun Lee. An Korbflechtarbeiten erinnern ihre in Nussbaumholz geschnitzten Strukturen, die durch das geölte Holz feine Glanzlichter bekommen. Mal werden geschnitzte Ovale makellos poliert, mal bilden die Spuren des Schnitzeisens feinteilige Strukturen. Auch hier geht es nicht über sieben Zentimeter weg von der Wand.

Schön zu betrachten schon im Internet ist die abwechslungsreiche Hängung mit diesen originellen Kunstwerken, die die „Wände bewohnen“.

Sculptural.Painting.“ läuft bis 6. März, wird aber voraussichtlich noch bis in den Mai verlängert, so dass die Chance besteht, sie auch noch in den Galerieräumen (Zeughausstrasse 26. 1. Etage) anzuschauen. Die Preise sind von 850 bis 16.000,- € gestaffelt. www.galerie-biesenbach.de

 

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