Über den Wipfeln

   

Nach dem Ende der Bäume

Galerie Biesenbach zeigt die Serie „Über den Wipfeln“ von José Gomes

von Hanna Styrie in Kölnische Rundschau, 8.6.2021

Der poetische Titel „Über den Wipfeln“ ist als bittere Ironie zu verstehen: Mit romantischer Naturverherrlichung hat diese Ausstellung in der Galerie Biesenbach nämlich rein gar nichts zu tun.

Viel mehr beschäftigt sich der Brasilianer José Gomes in einer aktuellen Serie mit der Abholzung des Regenwaldes in seiner Heimat und dessen dramatischen Folgen. Drohnen- und Satellitenaufnahmen aus dem Internet dienen dem seit vielen Jahren in Köln lebenden und an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildeten Künstler als Untergrund für Zeichnungen. Die sind inspiriert von der traditionellen Körperbemalung der indigenen Bevölkerung oder aber auch der Form der Schneisen, die bei den Rodungen geschlagen werden. 2019 hat Gomes den Zyklus begonnen, bei dem er Kritik an der erbarmungslos in Ausbeutung der Natur und der zunehmenden Einengung des Lebensraums lokaler Stämme übt.

In der Ausstellung sind die Werke chronologisch nach dem Entstehungsdatum gehängt, und bei genauem Hinsehen werden die Veränderungen sichtbar: Anfangs scheinen die grünen Blätterdächer noch undurchdringlich, dann lichten sie sich allmählich, und man erkennt aufgetürmte Baumstämme.

Mehr und mehr wechselt die Farbigkeit von Grün zu einem dunklen Rot, dass auf die eisenhaltige Erde hinweist, die nach der Abholzung die Bilder dominiert. Gomes selbst verwendet in der Serie vorwiegend Naturmaterialien: Papier, Graphit und Holz, auf das er die Arbeiten aufbringt.

Die Luftaufnahmen überzieht er mit präzisen grafischen Zeichnungen, die den durch Menschenhand verursachten Eingriff visualisieren. Dabei bedient er sich eines vielfältigen Formenrepertoires, das auch aus der Zeichensprache der Ureinwohner schöpft.

Dem politisch und ökologisch brisanten Thema begegnet er mit einer spielerischen künstlerischen Umsetzung. Mehrheitlich fasst er Bilder zu Zweier- und Viererblöcken zusammen, die sich variabel anordnen lassen und mit formale und inhaltliche Vielschichtigkeit überraschen. Wer die Arbeiten neu arrangiert wird zwangsläufig für die Veränderungen sensibilisiert, die darauf erkennbar sind.

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